Im 14. Arrondissement, nur ein paar Minuten von der Porte d’Orléans entfernt, zieht eine kleine, unauffällige Straße Architekturfans und Leute an, die gerne auf Entdeckungstour gehen. Die Villa Seurat ist anders als alle anderen Straßen in Paris. Hier gibt’s keine Haussmann-Gebäude oder belebten Geschäfte, sondern eine Reihe von Künstlerhäusern mit modernistischen Linien, die zwischen den beiden Weltkriegen gebaut wurden.
Villa Seurat: das bestgehütete Geheimnis des 14. Arrondissements
Die Villa Seurat entstand in den 1920er Jahren, zu einer Zeit, als Paris Künstler aus der ganzen Welt anzog. Die Idee war, eine Straße zu bauen, die komplett den Künstlern gewidmet ist, mit Häusern, die wie echte Ateliers gestaltet sind. Das Projekt hat schnell mehrere Architekten und Bildhauer angesprochen, die sich jeweils ein Haus nach ihren Vorstellungen ausgedacht haben. Das Ergebnis ist heute eine Straße, die trotz der unterschiedlichen Stile überraschend einheitlich wirkt. Einige Fassaden sind weiß und geometrisch, andere spielen mit runderen Formen oder verschiedenen Materialien.
Mehrere wichtige Persönlichkeiten aus Architektur und Bildhauerei haben hier ihre Spuren hinterlassen. Man findet hier insbesondere Häuser, die von André Lurçat oder den Brüdern Perret, Pionieren der Stahlbetonarchitektur, entworfen wurden. Die Villa zog auch Künstler und Intellektuelle an, wie Dali, Foujita oder Samuel Beckett, die alle von der Idee begeistert waren, in einer ruhigen Umgebung fernab vom Trubel zu leben und zu arbeiten.

Die Villa Seurat lässt sich leicht bei einem Spaziergang im Süden des 14. Arrondissements entdecken. Die Straße ist kurz, fast still und von kleinen Häusern gesäumt, die einen starken Kontrast zu den großen Pariser Wohnsiedlungen bilden. Nach wenigen Schritten hat man den Eindruck, die Hauptstadt verlassen zu haben und in ein Viertel mit geheimen Ateliers zu gelangen, in dem jede Fassade eine Geschichte erzählt.
Sie liegt in der Nähe der Cité Universitaire und mehrerer anderer diskreter Straßen, die für ihre Künstlerhäuser oder ihre kleinen, ungewöhnlichen Gebäude bekannt sind. Das Viertel bildet ein echtes Mikro-Quartier, das der Kreativität gewidmet ist und von den klassischen Touristenrouten oft übersehen wird.
Heute ist die Villa Seurat immer noch ein Wohngebiet, und bei einem Besuch sollte man die Ruhe der Bewohner respektieren. Man spaziert gemächlich durch die Straßen und schaut sich die Details der Fassaden, die Atelierfenster oder die bunten Türen an. Ein kurzer, aber abwechslungsreicher Ausflug, perfekt, um ein anderes Gesicht von Paris fernab der großen Alleen zu entdecken.
📍Villa Seurat – 75014