Es gibt Pariser Adressen, die scheinbar die Jahrhunderte überdauert haben, ohne auch nur eine Falte zu bekommen. Und diese hier ist ein schönes Beispiel dafür! In der Rue Montorgueil 51 verwöhnt eine Konditorei seit 1730 Feinschmecker. Hinter ihren hübschen Schaufenstern verbirgt sich eine Geschichte, die eines königlichen Märchens würdig ist. Denn bevor er sich in der Hauptstadt niederließ, bereitete ihr Gründer die süßen Leckereien für den Hof Ludwigs XV. zu. Auch heute noch kann man diese Desserts probieren, vor allem eines davon, das weltweit berühmt geworden ist.
Stohrer, die älteste Konditorei von Paris, entstanden am Königshof
Alles begann mit Nicolas Stohrer, einem Konditor, der im Dienst von Stanislas Leszczynski, dem ehemaligen König von Polen, stand. Als dessen Tochter Marie 1725 Ludwig XV. heiratete, trat auch der junge Konditor in den Dienst des französischen Hofes.
Einige Jahre später, im Jahr 1730, beschließt Nicolas Stohrer, sich selbstständig zu machen. Er eröffnet daraufhin sein Geschäft in der Rue Montorgueil, mitten in Paris. Ohne es zu wissen, hat er gerade den Grundstein für ein Geschäft gelegt, das fast drei Jahrhunderte überdauern wird!
Die Geschichte geht noch weiter. Denn hinter dem Namen Stohrer verbirgt sich auch der eines Desserts, dessen Namen du bestimmt kennst: der Rum-Baba.
Der Legende nach soll alles mit einer Brioche angefangen haben, die Leszczynski als zu trocken empfand. Um sie saftiger zu machen, soll sein Konditor auf die Idee gekommen sein, sie mit Wein zu tränken. So soll der Vorläufer des Babas entstanden sein! Das Rezept hat sich natürlich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, vor allem durch die Zugabe von Rum, und wurde so zu dem Kuchen, den wir heute kennen.
Eine schöne Geschichte für Feinschmecker, auch wenn sich die Historiker nicht alle über den Ursprung des Desserts einig sind.

Fast 300 Jahre später kann man dort immer noch seinen berühmten Baba genießen
Auch heute hat Stohrer nichts von seinem Charme verloren. Mitten im geschäftigen Viertel Les Halles lockt die Konditorei mit ihren mit Gebäck gefüllten Schaufenstern nach wie vor Passanten an. Noch bevor man sich für einen Kuchen entscheidet, möchte man den Blick nach oben richten. Im Inneren erinnern die gemalten Verzierungen und die vergoldeten Details an die glanzvolle Vergangenheit des Hauses. Die Fassade und ein Teil dieser Dekoration stehen übrigens unter Denkmalschutz.
Du kannst unmöglich gehen, ohne das berühmte Rum-Baba zu probieren, das immer noch hausgemacht ist. Aber auch Liebhaber traditioneller Backwaren können sich für einen „Puits d’amour“, eine „Religieuse“ nach alter Art oder eine andere Köstlichkeit aus der Auslage begeistern.
Was diesen Ort so besonders macht, ist letztendlich, dass man ihn wie jede andere Konditorei betreten kann, sich dann aber an einem Ort voller Geschichte wiederfindet.
Wenn du das nächste Mal im 2. Arrondissement unterwegs bist, mach einen Abstecher in die Rue Montorgueil und schau bei Stohrer vorbei. Schließlich kann man sich nicht jeden Tag die gleichen Backwaren gönnen wie der Großvater von Ludwig XVI.
Ort: Stohrer, 51 Rue Montorgueil, 75002