Jeden Tag kommen Tausende von Einwohnern der Region Île-de-France daran vorbei, ohne es überhaupt zu merken. Wenn man jedoch im richtigen Moment aus einem Zug der Linien 8 oder 9 nach oben schaut, sieht man verlassene Bahnsteige, einen alten Stationsnamen und Wände, die in der Zeit stehen geblieben sind. Saint-Martin gehört zu den berühmten Geisterbahnhöfen der Pariser Metro – jenen Haltestellen, die zwar noch existieren, an denen aber seit Jahrzehnten kein Fahrgast mehr aussteigt.
Die größte der Geisterbahnhöfe der Pariser Metro
Die 1931 eröffnete Station hat letztendlich nur acht Jahre lang Fahrgäste empfangen. Wie viele andere Pariser Stationen wurde sie am 2. September 1939 im Zuge der allgemeinen Mobilmachung geschlossen, da die RATP ihr Netz aus Personalmangel einschränken musste. Während die meisten Stationen nach dem Krieg wiedereröffnet wurden, blieb Saint-Martin endgültig geschlossen. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: Die nur etwa hundert Meter entfernte Station Strasbourg–Saint-Denis nahm bereits den Großteil des Verkehrsaufkommens auf und machte diese Station fast überflüssig.

Mit ihren zwei Linien, vier Bahnsteigen und weitläufigen Gängen gilt die Station heute als die größte ihrer Art in der Pariser Metro. Ihre Architektur aus den 1930er Jahren ist noch weitgehend sichtbar, mit den weißen Kacheln, den alten Rahmen und Werbeplakaten aus Keramik und sogar einigen Einrichtungselementen aus jener Zeit, die die Jahrzehnte überstanden haben.
Von der Straße aus lassen noch einige Hinweise auf ihre Existenz schließen. Am Boulevard Saint-Martin sind zwei ehemalige Eingänge erhalten geblieben, auch wenn ihre Gittertore verschlossen sind. Unter den Füßen der Passanten verbirgt sich jedoch eine fast intakte Station, die seit fast neun Jahrzehnten in der Zeit stehen geblieben ist und zu einem der faszinierendsten Orte im unterirdischen Paris geworden ist.
In einer Zeit, in der ungewöhnliche Besichtigungen und versteckte Orte Neugierige immer mehr anziehen, beflügelt Saint-Martin weiterhin die Fantasie. Man kann sie nicht frei besichtigen, aber jeder kann versuchen, zwischen zwei Haltestellen einen kleinen Einblick zu erhaschen.