Es gibt dieses seltsame Alter, in dem man schon kein Kind mehr ist, ohne ganz zur Frau geworden zu sein. Ein zerbrechlicher Übergang, geprägt von so vielen Widersprüchen: Man sucht nach sich selbst, Kleidung wird fast zu einer Sprache, und man schwankt zwischen dem Wunsch, zur Gruppe zu gehören, und dem, sich von ihr abzugrenzen. Genau diesen Zwischenzustand möchte das Grand Palais mit der Ausstellung „Girls. Jugend, Mode und Rebellion“ vom 9. Dezember 2026 bis zum 21. März 2027 beleuchten
Wovon träumt ein junges Mädchen?

Anhand von Mode, Fotografie, Kino und zeitgenössischer Kunst hinterfragt die Ausstellung die Konstruktion der weiblichen Identität im Jugendalter und die damit verbundenen Darstellungen. Louise Bourgeois, Martin Margiela, Simone Rocha… aber auch Sofia Coppola: So viele Blickwinkel auf dieses Alter, in dem noch alles möglich scheint und doch schon furchtbar festgefahren ist. Und um all diese Nuancen zu erfassen, vereint der Ausstellungsparcours deren Fragmente: Kleidung und Accessoires, Fotografien, Kunstwerke, Filmausschnitte, Archivmaterial und Alltagsgegenstände ergänzen sich im Verlauf von fünf Abschnitten.
Da fällt es schwer, nicht an die Lisbon-Schwestern aus „Virgin Suicides“ zu denken. Fünf Teenagerinnen, gefangen in einem erstickenden Familienuniversum, beobachtet und begafft von den Jungs um sie herum, deren Innenwelt für diese jedoch unerreichbar bleibt. Die Mädchen werden angesehen, scheinen aber selten – wirklich – gehört zu werden.
Die Jugendliche, die ewige Heldin des Kinos

Von „La Boum“ bis „LOL“, von der verstörenden Leidenschaft in „Thirteen“ bis zur Zartheit in „L’Effrontée“ – das Kino hat dieses Alter von innen heraus erzählt. Andere Werke wie „Lolita“ oder „Virgin Suicides“ erzählen ebenfalls von dem Blick auf Teenagerinnen, der zwischen Faszination, Fantasie und Projektionen schwankt. Im Grunde bleibt dieselbe Frage: Wer erzählt die Geschichten der jungen Mädchen? Und was, wenn genau darin die ganze Zweideutigkeit der weiblichen Jugend liegt? In dieser Diskrepanz zwischen dem, was andere sehen, dem, was man nach außen hin zeigt, und dem, was sich im Inneren abspielt…
Langeweile, dieser seltsame Ort, an dem alles beginnt … zwischen Träumen, Erwartungen und Sehnsüchten

Etwas überraschender ist, dass „Girls“ einen Teil des Ausstellungsparcours auch der Langeweile widmet. Nicht der Langeweile, die nichts in sich birgt. Im Gegenteil: Hinter der Stille verbergen sich Tagträumerei, das Warten und der Wunsch nach Veränderung. Auch hier kommen einem fast instinktiv die Bilder aus „Virgin Suicides“ in den Sinn: Jugendzimmer, Musik, Zeitschriften, Kleidung, ausgestreckte Körper, die scheinbar nichts tun … während sich innerlich alles im Wandel befindet.
Als Zeitschriften noch Teil des Jugendalltags waren

Gerade die Teenager-Magazine sind fast verschwunden. In den 1990er- und 2000er-Jahren begleitete diese spezielle Presse auf ihre Weise diesen ganz besonderen Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter: Man suchte darin nach Antworten, Vorbildern, manchmal einfach nur nach dem Gefühl, verstanden zu werden. Die sozialen Netzwerke haben seitdem ihren Platz eingenommen, aber auch diesen wesentlichen und zerbrechlichen Wandel ein wenig durcheinandergebracht: Heute geht man fast ohne Übergang von der Kindheit in eine Weiblichkeit über, die ständig zur Schau gestellt, kommentiert und inszeniert wird. In dieser Hinsicht findet die Ausstellung „Girls“ auf seltsame Weise Anklang in unserer Zeit.
Denn vielleicht ist es letztendlich genau das, 15 Jahre alt zu sein: sich still unter den Blicken der anderen zu entwickeln. Identitäten anzuprobieren, so wie man Kleidung anprobiert. Gesehen werden zu wollen und gleichzeitig davon zu träumen, zu verschwinden. Ja, im Kino wie im Leben fasziniert die weibliche Jugend vielleicht genauso sehr, wie sie denen entgleitet, die versuchen, sie zu definieren. Aber wie wäre es, wenn wir den Mädchen im Rahmen einer Ausstellung endlich selbst erzählen ließen, was hinter ihrer Zimmertür vor sich geht?
Praktische Infos
Ausstellung: „Girls. Jugend, Mode und Rebellion“
Vom 9. Dezember 2026 bis zum 21. März 2027
Grand Palais, 7 Avenue Winston-Churchill, 75008 Paris
*Der Ticketverkauf beginnt am 6. Oktober 2026