Riviera 76 war ein so chaotisches Ereignis, dass es aus dem kollektiven Gedächtnis verschwand, bevor es fünfzig Jahre später dank vergessener Filmrollen in einem Pariser Keller wieder auftauchte. Eine kaum zu glaubende Geschichte zwischen Hippie-Traum, finanzieller Katastrophe und lokaler Mafia. Kurz gesagt: Das ist wie ein Netflix-Drehbuch…

Riviera 76: das verrückte Unterfangen, Woodstock in der Provence nachzustellen
Rückblick auf den Juli 1976. Sieben Jahre nach dem legendären Woodstock kommt Michael Lang, einer der Mitbegründer des amerikanischen Festivals, mit einer ehrgeizigen Idee nach Frankreich: die Magie von 1969 noch einmal aufleben zu lassen – allerdings an der Côte d’Azur. Der ausgewählte Ort? Die Rennstrecke Paul Ricard in Le Castellet im Departement Var, zwischen Toulon und Marseille – ein eher ungewöhnlicher Ort für ein Open-Air-Musikfestival dieser Größenordnung.
Drei Tage lang, vom 24. bis zum 26. Juli 1976, verwandelt sich die Rennstrecke in eine riesige Bühne. Das Budget ist für damalige Verhältnisse schwindelerregend: 6 Millionen Francs, was inflationsbereinigt etwa 4,5 Millionen Euro entspricht. Und das Line-up wird den hohen Ansprüchen gerecht: mit Joe Cocker, Gil Scott-Heron, The Crusaders, Magma, Shakti, Airto Moreira, Eddie Palmieri und Betty Davis.
Gestrandete LKWs, Künstler, die nie bezahlt wurden: das Fiasko
Doch nichts läuft wie geplant. Schon am Eingang bleibt ein Lkw-Konvoi stecken, was einen Teil des Programms verzögert. Das Schlimmste: Die Einnahmen des allerersten Tages werden von der Mafia aus dem Var gestohlen, was das Festival in die roten Zahlen treibt. Das Ergebnis: Die meisten Künstler werden ihr Honorar nie sehen. Selbst Magma, obwohl Headliner, wird keinen Cent davon abbekommen, genau wie ein Großteil des Line-ups. Zwischen wirtschaftlichem Bankrott und Spannungen hinter den Kulissen gerät Riviera 76 schnell außer Kontrolle. Der Traum von einem französischen Woodstock endet im allgemeinen Chaos.
153 Filmrollen, die 50 Jahre lang in einem Keller vergessen waren
Und genau hier nimmt die Geschichte eine völlig unerwartete Wendung. Ein Film sollte das Ereignis verewigen, doch die für den Schnitt zuständige Cutterin, Martine Fabre, muss das Projekt unterwegs aufgeben. Sie bewahrt die Filmrollen daraufhin fast fünfzig Jahre lang bei sich zu Hause auf, in der Hoffnung, sie eines Tages verwerten zu können. Das Ergebnis: kein Film, kein Live-Album, nicht die geringste Spur für die breite Öffentlichkeit. „Riviera 76“ verschwindet von der Bildfläche, bis ein halbes Jahrhundert später 153 Schachteln mit 16-mm-Filmen in ihrem Keller wiedergefunden werden.

Ein Dokumentarfilm lässt das „vergessene Woodstock“ wieder aufleben
Pünktlich zu seinem 50. Jubiläum taucht diese außergewöhnliche Geschichte dank der Dokumentation „Riviera 76 – Das vergessene Woodstock“ von Christophe Duchiron, die auf France.tv ausgestrahlt wird, wieder auf. Dank dieser bisher unveröffentlichten Aufnahmen entdeckt das Publikum endlich die Gesichter, die Atmosphäre und die Hintergründe dieses verfluchten Festivals wieder.
Praktische Infos
🎬 Sehenswert: „Riviera 76“, das vergessene Woodstock, kostenlos im Streaming auf France.tv
📍 damaliger Veranstaltungsort: Circuit Paul Ricard, Le Castellet (Var)
📆 Ursprüngliche Termine: vom 24. bis 26. Juli 1976