Von der Straße aus ist es fast unmöglich, es zu erkennen. Man muss den Wald durchqueren, den alten Alleen des Parks folgen und tief in die Vegetation vordringen, bevor man seine Silhouette erkennen kann. Inmitten der Bäume taucht dann ein großes anglo-normannisches Herrenhaus mit klaffenden Fenstern auf, das nach und nach von der Natur verschlungen wird. Nur etwa dreißig Kilometer von Paris entfernt ist das Schloss Angervilliers, auch bekannt unter dem Namen Domaine des Trois Colonnes, zu einem der berühmtesten verlassenen Orte der Île-de-France geworden.
Ein verlassenes Schloss im Herzen des Waldes
Das imposante Anwesen erstreckt sich über drei Stockwerke, verfügt über etwa fünfzehn Zimmer und thront über einem Anwesen, das sich über fast fünfzig Hektar erstreckt. Doch trotz seines Ansehens als großes Adelsanwesen ist das Schloss, das man heute vorfindet, im Vergleich zur lokalen Geschichte relativ jung. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Stelle ehemaliger herrschaftlicher Anwesen erbaut, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Doch die Geschichte des Anwesens nimmt während des Zweiten Weltkriegs eine dramatische Wendung. Das Schloss, das während des Konflikts von den Deutschen besetzt war, ist auch mit dem tragischen Schicksal seiner damaligen Besitzer verbunden, die in der Deportation ums Leben kamen. Nach dem Krieg wechselte das Anwesen mehrmals den Besitzer, ohne jemals seinen früheren Glanz wiederzuerlangen. Zu den Besitzern gehörte unter anderem Gustave Leven, der berühmte Chef von Perrier, doch ein nachhaltiges Restaurierungsprojekt kam nie wirklich zustande.
Im Laufe der Jahrzehnte verfällt das Anwesen jedoch zusehends. Wo einst gepflegte Rasenflächen, Blumenbeete und sorgfältig angelegte Alleen lagen, erobert sich der Wald nach und nach sein Recht zurück. Die Bäume dringen vor, die Fassaden verfallen und einige Räume beginnen einzustürzen.

Heute zieht das Schloss vor allem wegen dieser besonderen Atmosphäre Besucher an. Hinter den verfallenen Mauern sind noch einige Spuren des früheren Prunks zu sehen: Monumentale Treppen, Holzvertäfelungen, Zierleisten oder Kamine zeugen von dem Komfort, den das Anwesen zu seiner Blütezeit bieten konnte.
Im Herzen des Parks, neben den Wäldern und dem See, die das Anwesen umgeben, stehen noch drei Säulen im griechisch-römischen Stil. Sie sind es, die dem Anwesen seinen Beinamen „Domaine des Trois Colonnes“(Anwesen der drei Säulen) gegeben haben, der heute unter Urbex-Fans weit verbreitet ist.
Auch wenn das Schloss zu einer Referenz in der Welt der urbanen Erkundung geworden ist, darf man nicht vergessen, dass es sich immer noch um Privatbesitz handelt, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Der Zutritt ist verboten, und der fortgeschrittene Verfall einiger Gebäude macht Besichtigungen besonders gefährlich.
Nur wenige Kilometer vom Trubel von Paris entfernt erzählt dieses vergessene Herrenhaus auf seine Weise von einem Jahrhundert Geschichte, zwischen Größe, Drama und langsamem Verfall.