Die meisten Schlösser werden heute wie Museen besichtigt. Die Möbel sind verschwunden, die Räume wurden im Laufe der Jahrhunderte leergeräumt oder umgestaltet, und oft braucht es viel Fantasie, um sich das Leben vorzustellen, das einst in diesen großen Anwesen herrschte. Im Schloss La Motte-Tilly ist das Erlebnis ganz anders.
Ein zauberhaftes Anwesen, das eine Zeitreise ermöglicht
Schon in den ersten Räumen stellt sich ein seltsames Gefühl ein. Die Salons sind komplett möbliert, die Tische gedeckt, die Bücherregale gefüllt, die Zimmer hergerichtet, als wären die Bewohner nur kurz hinausgegangen. Mehr als ein historisches Denkmal vermittelt das Schloss manchmal das Gefühl, ein noch bewohntes Haus zu betreten.

Das Anwesen liegt im Departement Aube, in der Nähe von Nogent-sur-Seine, und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts für Abbé Terray, den Generalfinanzkontrolleur Ludwigs XV., erbaut. Der Mann war damals eine der mächtigsten Persönlichkeiten des Königreichs und wünschte sich eine Residenz, die seinem Rang gerecht wurde. Er beauftragte den Architekten François-Nicolas Lancret, der ein elegantes, klassisches Schloss entwarf, umgeben von einem weitläufigen Park.
Die Geschichte hätte hier enden können. Doch was La Motte-Tilly heute so einzigartig macht, ist viel jüngeren Datums. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Anwesen von der Marquise de Maillé erworben. Als Liebhaberin von Kunst und Kulturerbe machte sie sich daran, die Atmosphäre einer großen französischen Adelsresidenz wiederherzustellen. Über Jahrzehnte hinweg sammelte sie Möbel, Gemälde, Wandteppiche und historische Gegenstände, bis sie ein Interieur von bemerkenswerter Kohärenz geschaffen hatte.

Als sie 1972 starb, vermachte sie das Schloss dem Staat mit einem klaren Wunsch: die Räumlichkeiten so zu erhalten, wie sie zu ihren Lebzeiten waren. Das erklärt, warum der Besuch heute eine so besondere Atmosphäre hat. So entdeckst du einen großen Salon in Pastelltönen, einen eleganten Speisesaal, reich verzierte Gemächer und Sammlungen, die sowohl die Geschichte des 18. Jahrhunderts als auch die der Marquise selbst erzählen.
Auch im Außenbereich hält das Anwesen einige schöne Überraschungen bereit. Der mehrere Dutzend Hektar große Park ist um große, im Stil klassischer Gärten angelegte Perspektiven herum angelegt. Von Bäumen gesäumte Alleen, Wasserspiegel, Rasenflächen und Blumenbeete bilden ein besonders angenehmes Bild im Frühling und Sommer.
Weniger bekannt als Fontainebleau, Vaux-le-Vicomte oder Chantilly, ist La Motte-Tilly einen Abstecher ebenso wert !
📍Schloss La Motte-Tilly