Im Bois de Boulogne, nur wenige Minuten vom Trubel der Champs-Élysées entfernt, befindet sich ein Ort, den viele Pariser kennen, ohne seine Geschichte wirklich zu kennen. Und doch sollte man wissen, dass der Parc de Bagatelle aus einer völlig verrückten Wette entstanden ist .
Ein historisches Anwesen im Bois de Boulogne
Wir schreiben das Jahr 1777. Der Graf von Artois, der spätere Karl X. und Bruder von Ludwig XVI., hat gerade ein Grundstück im Bois de Boulogne erworben. Der Legende nach spottet Marie-Antoinette über das Vorhaben und behauptet, es würde Monate dauern, dort ein Schloss zu errichten, das diesen Namen verdient. Der Graf nimmt die Herausforderung an: Er verspricht, in weniger als drei Monaten eine Residenz zu bauen.
Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen: Mit fast 900 Arbeitern, die Tag und Nacht im Einsatz sind, lässt er das Schloss Bagatelle in nur 64 Tagen errichten. Eine Meisterleistung für die damalige Zeit, die dem Anwesen seinen Namen geben wird. Denn eine „Bagatelle“ bezeichnet im 18. Jahrhundert eben etwas Leichtes, Unbedeutendes.

Mehr als zwei Jahrhunderte später existiert das Schloss noch immer, doch es sind vor allem die Gärten, die Besucher anziehen. Ab dem Frühling verwandelt sich der Park in eine der spektakulärsten Grünanlagen der Hauptstadt. Im Gegensatz zu den großen, streng geometrischen Gärten, die von Le Nôtre geprägt wurden, folgt Bagatelle dem Stil des englischen Landschaftsgartens, der Ende des 18. Jahrhunderts sehr in Mode war.
Im Laufe des Spaziergangs entdeckt man eine Brücke hinter einem Baumhain, eine künstliche Grotte, dann einen kleinen Pavillon oder auch einen Wasserfall. Doch die Hauptattraktion bleibt zweifellos der Rosengarten von Bagatelle. Er wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt und umfasst heute fast 10.000 Rosensträucher und mehr als tausend verschiedene Sorten. Jedes Jahr zwischen Mai und Juni wird er zu einem der farbenprächtigsten Orte in Paris.

Eine weitere Besonderheit des Anwesens: seine Pfauen. Sie bewegen sich frei im Park und tragen wesentlich zur Atmosphäre des Ortes bei. Es ist nicht selten, dass man sie über die Wege laufen sieht oder wie sie mitten unter den Besuchern ihr Gefieder entfalten.
Der Park beherbergt außerdem mehrere bemerkenswerte Bäume, einen Irisgarten, mit Seerosen bedeckte Teiche und zahlreiche seltene Pflanzenarten aus aller Welt. Ein botanischer Reichtum, der erklärt, warum Bagatelle heute zum Netzwerk der botanischen Gärten der Stadt Paris gehört.
Jedes Jahr kommen Tausende von Besuchern, um seinen berühmten Rosengarten zu bewundern. Doch im Vergleich zum Jardin du Luxembourg oder den Tuilerien bleibt Bagatelle noch relativ unberührt von den Menschenmassen.
📍Parc de Bagatelle