Der Ursprung des Namens „Rue des Deux Boules“ liegt in den früheren Methoden der Stadtorientierung. Im 18. Jahrhundert gab es noch keine Hausnummern, und die Einwohner orientierten sich anhand der Ladenschilder. In dieser Straße stand ein berühmtes Geschäft, das zwei riesige Kugeln an seiner Fassade zur Schau stellte – eine Besonderheit, die der Straße schließlich ihren endgültigen Namen gab.
Von gebratenen Gänsen bis zu zwielichtigen Gassen
Die Sprachentwicklung und der Slang haben auch die Namen einiger Straßen verändert. In der Rue aux Ours (Bärenstraße) gab es zum Beispiel nie Bären. Im Mittelalter versammelten sich in dieser Straße die Brater der Stadt. Damals hieß sie „Rue aux Oues“, was der alte Begriff für Gänse war. Im Laufe der Zeit hat die umgangssprachliche Aussprache das Wort so verzerrt, dass sich schließlich „Ours“ (Bär) endgültig auf den Straßenschildern der Stadt festgesetzt hat.
Weiter hinten, hinter dem Place des Victoires, zeugt die kleine Rue Vide-Gousset von der Gefährlichkeit bestimmter Viertel im 17. Jahrhundert. Damals lag diese dunkle Gasse direkt hinter den Stadtmauern. Der „Gousset“ bezeichnete die kleine Tasche an der Kleidung, in der die Bewohner ihr Geld versteckten. Passanten, die sich nachts in diese Gasse wagten, gingen das Risiko ein, auf Taschendiebe zu stoßen, die sie um ihre Ersparnisse brachten.
Das Erbe der religiösen Gemeinschaften
Nur wenige Schritte weiter wird die Ortsnamenkunde mit der Place des Petits-Pères etwas freundlicher. Dieser Name stammt von dem liebevollen Spitznamen, den die Anwohner den Augustinermönchen gaben. Diese Ordensbrüder standen hinter der Gründung des Klosters, dessen Gebäude noch heute auf dem Kopfsteinpflaster des Platzes steht.
Zahlreiche andere Straßenschilder in der Innenstadt, wie das der Rue du Mail, tragen noch heute Spuren dieser früheren Verwendungen und lokaler historischer Persönlichkeiten.