Etwas mehr als zwei Autostunden von Paris entfernt kannst du eines der einzigartigsten Dörfer Nordfrankreichs entdecken. Parfondeval im Departement Aisne gehört zu den „Schönsten Dörfern Frankreichs“ und hebt sich sofort von den mittelalterlichen Steinstädten ab, die man sonst oft in dieser Rangliste findet. Hier sind die Fassaden rot, die Dächer mit Schiefer gedeckt und der Hauptplatz gruppiert sich um einen Teich, in dem noch immer die Frösche quaken.
Parfondeval, ein rotes Dorf inmitten der Heckenlandschaft der Thiérache
Im Zentrum von Parfondeval umgeben große Bauernhäuser den Teich, der früher mit der Viehzucht in Verbindung stand, während die Weiden, Apfelplantagen und Hecken der Bocage-Landschaft fast direkt am Ende der Straßen beginnen. Diese Architektur aus rotem Backstein und grauem Schiefer ist typisch für die Thiérache, eine ländliche Region zwischen den Ardennen und der belgischen Grenze.
Um die Geschichte des Dorfes nachzuvollziehen, ohne seine wichtigsten Gebäude zu verpassen, musst du einfach den „Circuit de la Chouette“ nehmen. Dieser 1,4 Kilometer lange Rundweg umfasst zwölf Stationen und führt unter anderem am alten Waschhaus, der protestantischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert und den von Bauernhöfen gesäumten Straßen vorbei.
Parfondeval beherbergt außerdem eine kleine, ziemlich unerwartete Sammlung. Das „Maison des Outils d’Antan“ (Haus der alten Werkzeuge) versammelt rund 2.000 Gegenstände, die um 1900 auf dem Land verwendet wurden – von der Holzbearbeitung bis hin zu den alten Eisenhandwerken. Dieses private Museum kann nach Voranmeldung besichtigt werden und verlängert den Spaziergang um einiges, da es vom früheren Alltag hinter den Fassaden des Dorfes erzählt.

Das beeindruckendste Gebäude ist jedoch nach wie vor die Kirche Saint-Médard. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut und verfügt über zwei Türmchen, ein Renaissance-Portal aus Stein und eine Silhouette, die viel eher an eine Festung als an eine kleine Landkirche erinnert. Sie gehört zum umfangreichen Netzwerk der befestigten Kirchen der Thiérache, die in einer Region errichtet wurden, die regelmäßig von Konflikten und Plünderungen heimgesucht wurde.
Bei einem Rundgang kannst du den ehemaligen Schutzraum betreten, in dem sich die Bewohner mit ein paar Vorräten in Sicherheit bringen konnten, wenn das Dorf bedroht war. Eine Ausstellung erzählt heute diese Geschichte sowie die der Dutzenden befestigten Kirchen, die in der Umgebung noch zu sehen sind. Der Zugang zu Saint-Médard ist das ganze Jahr über frei und kostenlos; an manchen Sonntagen im Sommer werden außerdem Führungen angeboten.
Kurz gesagt: Das ist der perfekte kleine Ausflug für sonnige Tage.