Wenn es um das Kulturerbe in der Nähe von Paris geht, spricht man oft von den großen französischen Gärten. Das Anwesen von Méréville erzählt jedoch eine ganz andere Geschichte. Hier gibt es keine perfekt ausgerichteten Perspektiven und keine geometrischen Beete. Stattdessen findet man einen riesigen Landschaftsgarten, der Ende des 18. Jahrhunderts entworfen wurde und in dem Natur, Wasser und das Relief fast wie eine Gemäldekulisse wirken.
Ein wenig bekanntes Anwesen mit tausend Schätzen
Das Anwesen liegt im Süden des Departements Essonne, etwa eine Stunde von Paris entfernt, und blieb lange Zeit im Verborgenen, bevor es in den letzten Jahren nach und nach wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde . Und doch gilt es oft als einer der schönsten malerischen Gärten Frankreichs.
Der Ort wurde ab 1786 vom Finanzier Jean-Joseph de Laborde angelegt, der bereits Eigentümer des Schlosses La Ferté-Vidame war. Um sein Anwesen umzugestalten, beauftragte er den Maler Hubert Robert: Die Idee war für die damalige Zeit sehr modern: einen Garten zu schaffen, der den Eindruck einer natürlichen Landschaft vermittelt, gespickt mit kleinen Szenen und Überraschungen.
Wenn man heute hier spazieren geht, spürt man diese Logik noch immer. Der Weg führt abwechselnd über kleine Brücken, am Fluss entlang, durch Wäldchen, an künstlichen Grotten, Wasserfällen und „Fabriken“ vorbei – diesen dekorativen Bauwerken, die im 18. Jahrhundert sehr in Mode waren. Einige sind im Laufe der Zeit verschwunden, aber viele wichtige Elemente sind noch zu sehen.

Am beeindruckendsten ist wohl die Trajanssäule, ein riesiges, von der Antike inspiriertes Monument, das einen Teil des Parks überragt. Weiter entfernt verleihen die Steinbrücke, die Molkerei oder auch die großen Wasserbecken dem Anwesen eine Atmosphäre, die sich deutlich von anderen Gärten in der Region Île-de-France unterscheidet . Manchmal hat man eher das Gefühl, in einem englischen oder italienischen Park zu sein als in der Essonne.
Das Wasser spielt übrigens eine zentrale Rolle bei der Besichtigung. Der Fluss Juine durchquert das Anwesen und prägt einen Großteil der Landschaft. Die Spiegelungen, die kleinen Wasserfälle und die Teiche verändern die Atmosphäre je nach Jahreszeit völlig.
Im Vergleich zu anderen großen Anwesen in der Île-de-Franceist Méréville noch relativ unbekannt und hat sich einen eher geheimen Charakter bewahrt. Selbst am Wochenende bleibt die Atmosphäre oft friedlich. Das Anwesen von Méréville ist mit dem Auto von Paris aus erreichbar und gehört zu den wenig bekannten Ausflugszielen, die einen Abstecher wert sind.
📍Domaine de Méréville – Rue Voltaire – Le Mérévillois